Über Logos, Marken und Modelle


05 Jan
05Jan

Corona wirbelt vieles durcheinander. Aber Globalisierung und Digitalisierung sorgen schon viel länger für disruptive Effekte. Nehmen wir mal ein paar Global Player, und hier die Autohersteller. Interessant dabei ist, dass in diesen Zeiten Marken offenbar gerne das eigene Logo als Fortschrittssymbol überarbeiten. Und das sagen die Konzernmanager:

Toyota: “Wir haben das neue visuelle Design der Marke mit Blick auf Morgen entwickelt”, so Didier Gambart, Vice President, Sales, Marketing & Customer Experience bei Toyota Motor Europe. Es geht Toyota – Medienberichten zufolge – vor allem darum, dass man damit neben einer besseren digitalen Einsatzfähigkeit vor allem auch den Übergang vom reinen Autobauer zum Mobilitätsanbieter vollzieht. 

VW: “Die Marke vollzieht mit der Formulierung neuer inhaltlicher Ansprüche und neuen Produkten einen tiefgreifenden Wandel hin zu einer bilanziell emissionsfreien Zukunft für alle. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die neue Haltung unserer Marke auch nach außen sichtbar zu machen”, meint Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands für Vertrieb, Marketing und After Sales. So will VW mit dem neuen Auftritt eine Emotionalisierung der Elektromobilität erreichen. 

BMW: “Das neue Logo und Brand Design symbolisiert die Bedeutung und Relevanz der Marke für die Mobilität und der Freude am Fahren in der Zukunft”, erklärt Jens Thiemer, der Markenchef von BMW. Das neue Logo verstehe man bei BMW zudem als Einladung an die Kunden, die Marke und ihre Produkte neu zu entdecken und Teil der BMW-Familie zu werden. 

Opel: “Der klassische Kühlergrill spielt bei Elektroautos wie dem Mokka-E kaum noch eine Rolle. Vielmehr integriert der Vizor zukünftige Licht- und weitere Technologien nahtlos unter seiner Hightech-Oberfläche und legt sich schützend über sie”, sagt Mark Adams, Design-Chef bei Opel. Auch hier will sich die Marke Opel mit dem Re-Design ein moderneres und technisches Antlitz verpassen. Zudem soll das Logo auch für „deutsche Präzision“ stehen. 

Nissan: Eigentlich sollte dieser japanische Auto-Bauer derzeit der Elektro-Superstar unter den großen Autobauern sein. Schließlich war der “Nissan Leaf” über Jahre das meistverkaufte Elektroauto dieser Erde. Der für das neue Nissan-Logo verantwortliche Designer Tsutomu Matsuo Kürzlö erklärte kürzlich: “Unsere Pionierarbeit in den Bereichen Elektrifizierung, Fahrerassistenz und digitale Konnektivität beweist, dass dieser starke Glaube bei Nissan nie ins Wanken geraten ist. All dies vermittelt unser Logo und verdeutlicht damit unser Engagement für Kunden, Mitarbeiter und die Gesellschaft.” Mit dem Re-Design will Nissan so auch die Entwicklung vom traditionellen Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister unterstreichen. 

Wenn man allerdings den Markt aus Kundensicht betrachtet, dann steht aktuell nur eine Marke auf dieser Erde für “Elektrifizierung, Fahrerassistenz und digitale Konnektivität”. Und das ist Tesla. Damit sind wir aus Markensicht bei einem ganz wichtigen Punkt: Es genügt nämlich nicht, einfach nur neue Modelle zu lancieren, sondern es ist ganz entscheidend, wer als führend wahrgenommen wird. Außer Elon Musk ist anscheinend niemand (wenn man von einigen Start-ups und China absieht) interessiert, eine Elektroautomarke zu schaffen. Die etablierte Autoindustrie gibt sich anscheinend damit zufrieden, dass sie Elektroautomodelle baut. Der wahrnehmungspsychologische Vorteil für Tesla: Kunden können neue Kategorien besser abspeichern, wenn diese neue und eigenständige Namen haben. 

Das zeigt ein Blick in den internationalen Batteriemarkt: Während die Fa. Eveready als erste eine Alkalibatterie einführte, war es P.R. Mallory, die den Schritt wagten, mit einem eigenen Produkt (sechs Jahre später!) eine ganz neue Kategorie zu eröffnen. Die Batterie war kein weiteres Mallory-Modell, sondern komplett eigenständig: Duracell. Heute ist Duracell nicht nur in den USA, sondern weltweit die meistverkaufte Alkalibatterie. Übertragen auf die Automobilindustrie heißt das: Der “Nissan Leaf” war und ist für die meisten von uns nur maximal ein Modell aus dem Hause Nissan. Tesla wiederum ist aktuell das Synonym für Elektroautos.

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