30 Apr
30Apr

Gendersprache macht es allen schwer: Diejenigen, die sie nutzen, müssen sich entscheiden zwischen Sternchen (*) oder Doppelpunkt (:) oder großem (I) in der Wortmitte beim Plural. Die Gendersprache hat Ihren Ursprung zunächst im universitären Bereich, und dort zunächst in den USA. Gendersprache ist eine Spielart der Political Correctness (auch sie hat schon in den 80er Jahren krude Auswüchse in den USA gezeitigt). Es geht darum, jede noch so kleine Splittergruppe der Gesellschaft sprachlich abzubilden. Sprachlich gelingt dies durch die Verbiegungen in Bezug auf die Geschlechter. Wie aber geht man mit regionalen Splittergruppen im Publikum um? 

Werden nicht – zum Beispiel in TV und Hörfunk – gerade durch die verwendete hochdeutsche Aussprache (eigentlich ist dies der regionale Dialekt rund um Hannover) andere Regionen und deren Dialekte diskriminiert? Und wird dies nicht noch verstärkt, wenn Dialekte wie das Bayerische, das Sächsische und auch das Rheinische überwiegend nur im Zusammenhang mit Comedy, Kabarett und Witze-Festivals eingesetzt werden?

Die Frage ist natürlich rhetorisch und zeigt dennoch den wunden Punkt auf. Einerseits bietet die deutsche Sprache ein hochpräzises Instrumentarium, mit dem man die Wirklichkeit differenziert abbilden kann (Juristen und Bürokraten leisten hier Erstaunliches – und auch viel Lächerliches). Insofern gab es keine Notwendigkeit von eingeübten Floskeln („Meine Damen und Herren“; „Liebe Schülerinnen und Schüler“) abzuweichen. Richtig, die deutsche Sprache klärt nicht, wie queere, asexuelle und transsexuelle Menschen angeredet werden wollen. Um hier keine Fehler zu machen, wird eben oft das Sternchen o.ä. verwendet. Wer aber einen queeren, asexuellen oder transsexuellen Menschen im Bus anspricht, weiß das auch nicht. Man kann nur auf den Phänotyp abstellen. Und der wirkt mal so und mal anders. Und bekannt sind eben nur der weibliche und der männliche Phänotyp.

Das oben genannte Beispiel mit den regionalen Dialekten ist natürlich ebenfalls eine rhetorische Figur. Sie zeigt aber, wohin die Überperfektionierung führt: ins Lächerliche nämlich. Ja, die deutsche Sprache ist sehr präzise. Aber sie ist nicht perfekt. So, wie das Leben eben auch nicht perfekt ist.

Sprache entwickelt sich. Derzeit erleben wir das Verschwinden der Anrede „Sie“. Wir nähern uns diesbezüglich skandinavischen oder vielleicht auch angelsächsischen Zuständen. Eine Veränderung wie diese kam aber immer aus der Mitte der Sprachgemeinschaft. Niemals setzte sich eine Sprachfigur durch, weil Bürokraten, TV-Moderatoren oder selbsternannte Trendfolger eine solche Sprachfigur einsetzten. Gendersprache ist kein Massentrend, sondern sie ist nur Lieferant einer Haltung. Diese Haltung besagt: „Ich weiß, dass man Sprache gendern kann und ich tue es auch und mache damit denjenigen, die es nicht tun, ein schlechtes Gewissen.“

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